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Geschichte

Die Anfänge als Pfarrbücherei im Widum

Der Zufall spielte Regie, als Mitte der 1970er Jahre Frau Irene Ehrlich im Pfarramt vorsprach, um geeignete Literatur für ihre Abschlussarbeit im Rahmen der Ausbildung zur Religionslehrerin zu finden. Die entsprechenden Materialien waren bald gefunden, und auf Bitte des damaligen Dekans Aichner, die früher einmal bestehende Bücherei wiederzubeleben, begann die jahrzehntelange ehrenamtliche Büchereitätigkeit von Frau Ehrlich. Mit ganz geringen Mitteln und wenigen Büchern startete die einst noch als reine Pfarrbücherei geführte Einrichtung in einem Raum des damaligen Widums (heute Caritas-Heim): Alles noch mit Karteikärtchen händisch geführt und vorrangig auf Kinderbücher spezialisiert. Erst mit der Zeit konnte das Angebot – durch zahlreiche Buchspenden, u. a. von Prälat Linser von der Diözese Innsbruck – schrittweise auch auf Erwachsenenliteratur erweitert und ein zweiter Raum benutzt werden. Von einigen wenigen Büchern in der Anfangsphase konnten nach knapp 20 Jahren bereits über 2.000 Bücher entlehnt werden. Ab den 1980er Jahren absolvierte Frau Ehrlich in den Sommerferien neben der insgesamt dreiwöchigen Ausbildung zur Büchereileiterin eine Vielzahl von einschlägigen Zusatzfortbildungen und führte zahlreiche Veranstaltungen für Kinder sowie Lesungen durch.

Einstieg der Gemeinde und Übersiedlung in das Seniorenzentrum - gemischte Trägerschaft

Mitte der 1990er Jahre machte der geplante Umbau des Widums zum jetzigen Caritas-Heim (unter dem damaligen Pfarrer Andreas Tausch) einen Umzug nötig. In etwa zur gleichen Zeit entstand damals das Seniorenzentrum Zams-Schönwies, wo die Bücherei auf Betreiben der Gemeinde gleich von Beginn an eine neue Heimat fand. Die Lage direkt beim Eingang war bewusst so gewählt worden, um die Einrichtung für die älteren Menschen in unserem Dorf durch die Einbeziehung der Bibliothek auch für junge Menschen zu öffnen. Zur gemeinsamen Führung der Bücherei wurde eine Trägervereinbarung zwischen Pfarre und Gemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Günter Platter unterzeichnet und die Bezeichnung in „Öffentliche Pfarr- und Gemeindebibliothek Zams“ geändert. Hehres Ziel damals war u. a., den „nach den Statuten des Büchereiverbandes Österreichs vorgesehenen Mindeststandard von 1 Buch pro Einwohner“ innerhalb von drei Jahren zu erreichen. Die ehrenamtliche Arbeit in der Bücherei war zu dem damaligen Zeitpunkt schon nicht mehr allein bewältigbar, und so stiegen mit Frau Ingrid Marth und Frau Brigitta Wohlfarter zwei Mitarbeiterinnen ein. Mit vereinten Kräften gelang es rasch, den Buchbestand schrittweise auf die vorgegebene Mindestzahl zu erhöhen. Den Er­fordernissen der modernen Zeit entsprechend wurde zur Jahrtausendwende das Sys­tem der Karteikästen ersetzt und die Büchereiverwaltung auf ein modernes Bibliotheksprogramm umgestellt, was unzählige Stunden an Eingabearbeit nötig machte.

Übersiedlung in Gemeindegebäude

Schon nach wenigen Jahren zeigte sich jedoch, dass das Seniorenzentrum den ur­sprünglich der Bibliothek zugedachten Raum selber benötigen würde, und ein neuer­licher Umzug innerhalb des Seniorenzentrums – in den runden Glasanbau zum Garten - war nötig geworden. Auch diese Räumlichkeiten beanspruchte das Seniorenzentrum schon nach kurzer Zeit wieder für sich und so wurde schon wieder ein Umzug erforderlich. In den Sommermonaten des Jahres 2009 wurde schlussendlich das gesamte Mobiliar samt rund 5.000 Medien unter schwierigen Bedingungen vom Seniorenzentrum in den 2. Stock des Nebengebäudes der Gemeinde übersiedelt, sodass bereits im Herbst 2009 wieder gearbeitet werden konnte. Frau Irene Ehrlich plant nun – nach fast 40-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Büchereileiterin – die Führung in jüngere Hände abzugeben, und so hat sich ihre Schwiegertochter, Frau Mag. Sigrid Ehrlich, bereiterklärt, die aufwändige Ausbildung zur Büchereileiterin zu absolvieren und in ihre Fußstapfen zu treten. Schon seit Jahren agiert sie ja im Hintergrund und kümmert sich insbesondere um organisatorische und administrative Belange, aber auch um die Veranstaltungsplanung und den Bucheinkauf. So einfach die Mittel und Wege waren, mit denen die Bücherei in Zams in den 1970ern als eine der Ersten im Bezirk begonnen hat, so hoch sind die Anforderungen an ein modernes Büchereiwesen heute und die Leitung einer öffentlichen Bücherei dieser Größe erfordert schon fast den Aufwand eines kleineren Betriebes. Das Bundeskanzleramt als für das öffentliche Bibliothekswesen zuständige Stelle beim Bund schreibt für die Erteilung von Förderungen ziemlich hohe Kriterien vor, die im Jahr 2014 nach enormen An­strengungen erstmals erreicht werden konnten. Neben einer ausgebildeten Bücherei­leitung und einem Mindestbestand von 1,5 Medien pro Einwohner - daneben ist der Buchbestand jährlich massiv zu erneuern - schreiben diese u. a. die Erweiterung der Öffnungszeiten vor, die 2014 mit der Einführung einer zusätzlichen Nachmittagsöffnung umgesetzt wurden.

Austritt der Pfarre aus der Trägervereinbarung und Umzug in das Riefengebäude

Und seit 2013, als die Gemeinde das Gebäude an die Raiffeisenbank Oberland verkauft hat und diese die Räumlichkeiten selber benötigt, war man wieder auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die mittlerweile über 6.000 Medien der Bücherei. Im Frühjahr 2015 erklärte dann die Pfarre Zams ihren Austritt aus der Trägervereinbarung mit der Gemeinde, womit die ehemals als Pfarrbücherei (wieder-) gegründete Einrichtung nach knapp 20 Jahren der gemeinsamen Trägerschaft auf einen Schlag eine reine Gemeindeeinrichtung werden würde. Viele Möglichkeiten für einen neuen Standort wurden geprüft, letztendlich einigte man sich auf das ursprünglich als Vereinslokal verwendete Erdgeschoß im Riefengebäude. Die Übersiedlung in die neuen Räumlichkeiten ging anfang November 2015 in nur wenigen Tagen über die Bühne. Der neue Standort erwies sich rasch als Glücksgriff und allen Unkenrufen zum Trotz kann die Bücherei seither einen enormen Anstieg an Besuchern und Nutzern verzeichnen. Die großzügigen hellen Räumlichkeiten sind ebenerdig und bieten ausreichend Platz für Veranstaltungen. Zahlreiche Familien mit Kindern nutzen die Nachmittags-Öffnungszeiten für ausgiebige Besuche in der Bücherei. Endlich ist jetzt genügend Platz in der Bücherei für die zahlreichen Besuche von Schulklassen oder Hortgruppen. Mit der Bundesanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) gibt es seit Herbst 2015 eine Kooperation, im Rahmen derer SchülerInnen der 3. Klassen rund einmal im Monat einen Bilderbuch-Entdeckungs-Nachmittag für Kindergartenkinder in der Bücherei gestalten. Auch für die Asylwerber im Talkessel finden regelmäßige Spiele-Nachmittage statt. Seit Mitte 2017 führt die Bücherei auch ein Buchstart-Programm für unter Dreijährige.

Die Gewährung großzügiger Förderungen seitens des Bundeskanzleramtes, des Österreichischen Büchereiverbandes (BVÖ) und des Landes Tirol ermöglichten es im Jahr 2015, den Medienbestand von Grund auf zu erneuern und in vielen Bereichen massiv zu erweitern. Die Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Bildungseinrichtungen wird noch weiter ausgebaut, auch Neue Medien (Hörbücher, DVDs, mehrsprachige Medien für Nutzer mit nichtdeutscher Muttersprache) wurden in den Bestand aufgenommen. Anfang 2017 konnte nach umfangreicher Vorarbeit endlich die neue Bücherei-Software (Littera) installiert werden, derzeit wird mit großem zeitlichem Aufwand an der Datenadaptierung gearbeitet. Seit Herbst 2017 wird ein eigener Web-OPAC (online public access catalogue - öffentlich zugänglicher online-Bestandskatalog) angeboten, d. h. es kann über das Internet der Bestand der Bücherei abgerufen werden und Leser können Medien selbstständig reservieren. Seither nimmt die Bücherei Zams auch an der E-Medien-Initiative des Landes Tirol teil, d. h. NutzerInnen der Bücherei (mit aktiver Lesernummer) können ohne zusätzliche Kosten E-Medien der Onleihe Tirol entlehnen.